Erinnerungen an eine ganz besondere Reise durch Marokko

Erinnerungen an eine ganz besondere Reise durch Marokko

ZU FUSS DURCH DIE WÜSTE

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Erinnerungen – in Gedanken nocheinmal durch die Wüste zu wandern. Ich liebe das. Diese Wanderung war so entspannend, auch wenn sich das nicht so anhört. Doch es gibt nichts besseres seinen Kopf auszuleeren, den Gedanken freien Lauf zu lassen. 

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Es ist nicht das erste Mal daß ich in Marokko bin, ich hoffe auch nicht das letzte Mal. Wir beginnen unsere Reise mit etwas Kultur. Die Besichtigung der Königsstädte. Schon der Flug von Lissabon nach Casablanca war ein kleines Abenteuer. Mit einer Propellermaschine für 14 Passagiere fliegen wir in den Orient. 

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Casablanca ist eine recht moderne Stadt mit einer neuen Straßenbahn. Diese wird von den Einheimischen sehr gut angenommen. Nach einem Hammambesuch in unserem Hotel lassen wir uns in Rick´s Café verwöhnen. Bekannt ist dieses Café aus dem Kinofilm Casablanca. Es ist zwar nicht Sam der da neben uns auf dem Klavier spielt, aber er lässt eine gewisse Ähnlichkeit erkennen. 

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Für mich ist es der zweite Besuch in Rick´s Café, Wolfgang musste beim letzen Mal leider das Bett hüten. Er hatte sich in Essauira eine Fischvergiftung zugezogen. Umso mehr geniesst er heute die freundliche Bedienung und das super gute Essen.

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Es liegt Nebel über der Stadt, doch wir wollen die Moschee besuchen bevor uns Abdou, unser Reisführer für die nächsten 2 Wochen abholt. 

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RABAT

Mit unserem Chauffeur Ibrahim und  Abdou fahren wir nach Rabat. Zum Sonnenuntergang erreichen wir die Stadt. In Rabat ist die Hauptresidenz  des marokkanischen Königs beheimatet. Über die Bevölkerung wusste unser Reiseleiter Chalil, der uns durch die Stadt führte, zu sagen, dass diese bunt gemischt sei und alle gut miteinander leben würden – verschleierte / unverschleierte Muslime, europäisch moderne Marokkaner, Christen und Juden.

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Das Mausoleum von Mohammed V in Rabat ist ein historisches Gebäude im westlichen Teil der Stadt nahe dem Fluss Bou-Regreg. Es enthält die Gräber des ersten marokkanischen Königs Mohammed V und seine beiden Söhne König Hassan II und Prinz Abdallah.

Der Hassan Turm ist das unvollendet gebliebene Minarett der ebenso unvollendeten Großen Moschee in Rabat. Die große Anlage ist heute das Wahrzeichen von Rabat.

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Weiter führt unsere Reise durch trockenes Land, vorbei an Oasen, einem neu angelegten Stausee nach Fes. 

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FES

Mit Fatima machen wir uns am nächsten Tag auf den Weg durch das enge Labyrinth der Stadt.

Es gibt 9800 Gassen und 380 Moscheen in der Medina von Fes.

Ganze 8 km marschieren wir durch verschiedene Viertel. Bekannt ist sicher das Gerberviertel. Dieses kann man fast in der ganzen Stadt riechen. Eine unglaublich anstrengende, ungesunde Arbeit für diese Männer. Den ganzen langen Tag müssen sie die Felle im Gemisch mit Taubenmist gerben. 

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Hier besitzt wohl jeder mindestens einen Fernseher

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Wir kaufen uns einen Schesch, das ist ein Tuch welches wie ein Turban auf dem Kopf gebunden wird. Den werden wir für die Wüste gut gebrauchen können.

Auch in Fes gehört der Königspalast zur Besichtigungstour dazu, wie auch die Burg mit dem tollen Blick über die ganze Stadt. 

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Über Meknes fahren wir nach Midelt. Wir kaufen unseren Proviant für die Wanderung durch die Wüste. Abdou sucht alles sehr sorgfältig aus, verpackt es dann in Kartons. Diese werden auf dem Dach unseres Geländewagens befestigt, dann geht es los über die Berge nach Midelt. 

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Es geht los, die Wüstentour beginnt!

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In Erachidia, einer schönen Stadt auf dem Weg zu unseren Kamelen, nehmen wir den Koch auf. Die Kamele liegen ruhig da, die Kameltreiber liegen im Schatten. Die Kisten werden vom Auto abgeladen und das Küchenzelt wird aufgebaut. 

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Gleich waltet der Koch seines Amtes, doch erst gibt es den typischen Tee in Marokko. Pfefferminze mit viel, sehr viel Zucker. Inzwischen sortieren die Kameltreiber den Proviant, verteilen ihn  und packen  ihn sicher auf die Kamele. Ich wundere mich noch heute wie so eine Palette roher Eier solch eine Reise durch die Wüste heil übersteht, bis das letzte Ei gegessen ist.

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Die Zeremonie beginnt, wie ab jetzt jeden Tag essen wir mit Abdou zuerst. Dann erst essen die Kameltreiber und am Schluss der Koch. 

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Endlich geht es los. Wir marschieren neben den Kamelen her durch die Steinwüste. Bis zum Abend erreichen wir unseren Übernachtungsplatz. Ganz in der Nähe steht ein Nomadenzelt.  Unsere einzige Aufgabe besteht darin unser Schlafzelt aufzubauen. 

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Ein unglaublich faszinierender Sternenhimmel tut sich auf über uns. Es ist kaum ein Laut zu hören. Wir sitzen auf unseren Matten draußen vor dem Zelt und trinken Tee. Wir immer kocht Ibrahim zu viel für uns. Heute bringt er den Rest zu den Nomaden. Dankbar nehmen sie es an und bringen den Teller am nächsten Morgen wieder zurück. 

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Zur Mittagszeit wird es heiß, es ist Ende September. Es ist die erste Tour die in dieser Saison überhaupt angeboten wird. Im Sommer ist es unmöglich durch die Wüste zu wandern. Die Sonne steht inzwischen hoch am Himmel, Zeit für die Nuss – und Dattelpause. Unter einem Kameldornbaum lassen wir uns nieder.

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Täglich folgt nun das gleiche Ritual. Jeden Tag ist um halb 6 Uhr Tagwache, ein kurzes Frühstück und schon bei Sonnenaufgang geht es los. Zur Mittagszeit wird es sehr heiß, das heißt Schatten suchen, essen und die Männer halten immer einen Mittagsschlaf. Ich kann bei Tag nicht schlafen, und so halte ich Wache und passe auf daß mir keiner abhanden kommt.

Heute besteigen wir zum ersten Mal unsere Reitkamele. Unsere kleine Karawane besteht aus 3 Lastkamelen und eben unseren 2 Reitkamelen. Nach einer Stunde ist die größte Hitze überstanden und wir steigen wieder ab. 

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Haben wir am Vormittag die Gebirgskette noch in unerreichbarer Nähe gesehen, sind wir am Nachmittag schon daran vorbeigewandert. Es ist unglaublich was für Entfernungen zurückgelegt werden können wenn man einfach so dahin marschiert. 

Nach der Mittagspause verlässt uns  einer der beiden Kameltreiber mit dem Koch und machen sich auf den Weg zu unserem Übernachtungsplatz. Jeden Abend wenn wir an unser Ziel kommen können wir von der Ferne schon das aufgebaute Küchenzelt sehen. Der Tee wartet schon, es ist wie heimkommen.

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Wir begegnen auf unserer Wanderung durch die Wüste nicht vielen Menschen, doch heute besuchen uns einige Nomadenkinder. In einiger Entfernung setzen sie sich auf den Boden und beobachten uns. Natürlich bekommen sie den Rest des Essens. 

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Unsere Kameltreiber wissen zum Glück wo die Brunnen sind. Immer wieder müssen die Kanister aufgefüllt werden. 

Immer mehr Sanddünen erscheinen in der Ferne, bis wir die große Wüste Erg Chebbi erreichen. 

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Es ist herrlich ruhig hier in den Dünen. Natürlich muß eine der großen Dünen auch bestiegen werden. Wir sitzen oben und geniessen einfach nur die Stille um uns herum. Ausser dem merkwürdigen Grunzen der Kamele ist nichts , absolut nichts zu hören.

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Der Wind frischt auf, ein Sandsturm nimmt uns die Sicht. Ich bewundere unsere Führer, die in diesem Sturm noch den richtigen Weg finden. Ich würde mich hoffnungslos verirren. 

Bei diesem Wind ist das Aufbauen des Zeltes eine Herausforderung. Der Kampf gegen den Wind beginnt. Mit der Hilfe von Abdou schaffen wir es dann doch. Bald dringt der Sand durch das geschlossene Zelt. Es ist sehr wichtig daß die Kamera gut in Plastiktaschen verpackt wird. So manche hat in der Wüste schon ihren Geist aufgegeben. Der feine Sandstaub findet den Weg ganz bestimmt in die Kamera.

Gemeinsam sitzen wir im großen Küchenzelt, essen und horchen den Geschichten unseres Reiseführers. Das Essen ist wie immer hervorragend. Salat, eine Tajine – das ist eine typisch marokkanische Mahlzeit und eine Nachspeise stehen täglich am Programm.

Der Sturm ist am nächsten Morgen vorbei, die Luft ist wieder rein. Unsere kleine Karawane zieht weiter. Wir erreichen ein kleines Dorf in der Wüste. Neugierige Kinder umlagern uns. Es gibt auch einen kleinen Laden wo wir etwas kaufen können. Es fällt auch für die Kinder etwas ab, was sie sehr glücklich macht. 

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Wir ziehen weiter, der Wind frischt wieder auf und verwandelt sich in einen heftigen Sandsturm. Im Zelt ist es zu heiß, und draußen werde ich regelrecht sandgestrahlt. Aber immerhin ist es etwas kühler. Ich glaube ich war noch nie so dreckig, zumindest fühle ich mich so. Überall pickt der Sand an meiner Haut. 

Auch im Zelt lagert sich der Sand ab, aber es ist eh schon egal. Diesen Kampf verlieren wir so oder so. Also nehmen wir es einfach hin, es gehört zum Abenteuer dazu.

Am Morgen ist der Sturm wieder vorbei. Wir trennen uns heute eine Weile von der Karawane und nehmen den Weg über eine große Düne. Die Kamele umgehen diese. 

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Unser heutige Übernachtungsplatz ist Luxus pur. Gleich nebenan ist ein Brunnen. Wir holen Wasser herauf und Wolfgang wäscht mir die Haare. Ich könnte schreien vor Glück – so gut fühlt sich das  kühle Wasser an. Noch weiß ich nicht daß dieses Gefühl nicht lange anhalten wird. 

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Ibrahim zeigt uns heute wie im Sand Brot gebacken wird. Nachdem das Feuer zur Glut wurde schiebt er die Holzkohle mit einem Stock zur Seite. Der plattgedruckte Teig wird in den heißen Sand gelegt und mit Sand und glühenden Kohlen zugedeckt. Nach ca 30 – 40 min ist das Brot fertig gebacken. Der Sand kann problemlos abgewischt werden, das Brot schmeckt himmlisch. Aussen knusprig , innen weich und es klebt kein Sand daran.

Es ist wie verhext – schon wieder. Der nächste Sturm. Das war es dann schon mit den sauberen Haaren und der sandfreien Kopfhaut. Eine annähernd schlaflose Nacht erwartet mich. Sand dringt in jede Ritze durch das geschlossene Zelt, legt sich auf unser  Gesicht und findet den Weg in die hintersten Ecken unserer Körper. 

Uns erwartet die längste Etappe. Wieder raus aus den Dünen erreichen wir eine weitere Steinwüste. Heute setzen wir uns zur Abwechslung wieder einmal für eine Stunde auf unsere Kamele. Damit sie nicht ganz umsonst mitlatschen. 

Wir erreichen ein Camp mit Sesseln und Tischen. Das heißt wir sitzen nicht mehr auf unseren Matten am Boden zum Essen. Und es gibt sogar eine Toilette – Luxus in der Wüste. Wir werden abgeholt und fahren über eine Piste nach Hause zu einem Kamelbesitzer. Sein Zuhause ist sehr spärlich eingerichtet. Der Tee wird auf einer Gasflamme am Boden gekocht. Es gibt ein Sofa, einen Tisch, einen Fernseher und einen Teppich in diesem Raum.

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Das Hotel Timbuktu in der Nähe von Merzouga ist unsere Unterkunft bevor wir nach Marrakech weiterfahren. Von der Dachterrasse können wir noch einen letzen Blick auf die roten Dünen werfen. 

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Die erste Nacht in einem Bett hängt mir noch lange nach. Habe ich mir doch tatsächlich Bettwanzen eingefangen. Diese beschäftigen mich noch lange Zeit, auch noch zurück in der Heimat. Doch erst fahren wir mit Ibrahim nach Merzouga. Wir spazieren durch die Stadt, Abdou besorgt inzwischen das Mittagessen – ein Picknick im Schatten! Ein letztes gemeinsames Essen mit unserem Koch Ibrahim. 

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Es geht wieder in die Zivilisation. Wir besuchen die Oase Tinerhir, eine wunderschöne grüne Plantage. Granatäpfel, Datteln, Feigen und vieles mehr gedeiht hier. Über den großen Atlas erreichen wir nach einigen Tagen Marrakech. Auf dem Weg in die Stadt besichtigen wir die Kasbah in Quarzazate. Kasbah ist in der ursprünglichen Bedeutung die arabische Bezeichnung für eine innerhalb oder außerhalb von Städten gelegene Festung.

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MARRAKECH

In Marrakech beziehen wir ein Zimmer im Riad Sara. Orangenbäume und Bugainvillea vor dem Fenster. Ich war nicht in Marrakech ohne durch den Souk zu flanieren, vom Café de France das Treiben auf dem Jam el fna zu beobachten. Stundenlang kann ich flanieren und beobachten. Feilschen gehört natürlich auch dazu. 

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Und wieder landen wir im Jardin de Majorelle, den Garten von Ives Sant Laurent.

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Das Treiben auf dem Jam el fna nimmt am Abend enorm zu. Schlangenbeschwörer, Märchenerzähler und die Garküchen ziehen massenweise Menschen an – wie uns auch. Der Kulinarik kann ich hier nichts abgewinnen. Für mich wirken die gekochten Schafsköpfe und Ziegen, Innereien und Füsse eher abstossend. 

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Zum Schluss noch eine der Geschichten die Abdou uns vor dem Zelt in der Wüste erzählte. 

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EINE WAHRE GESCHICHTE

Die heiratsfähigen Männer fahren zu den Dörfern von denen erzählt wird dass dort tüchtige Mädchen sind.

Sie warten z.B. vor der Schule und sehen sich die Mädchen an wenn sie herauskommen. Gefällt ihm eines, folgt er ihm um zu sehen wo es zuhause ist.

Er erzählt es seiner Mutter, die dann die Mutter des Mädchens besucht. Sie reden über ihre Kinder und den Wunsch des jungen Mannes. Die Mutter des Mädchens redet anschließend mit ihrem Mann darüber.

Gemeinsam beschliessen sie ein neues Treffen der Familie, wo auch der Heiratswillige Mann dabei ist. Dann wird besprochen wie und ob der mann eine Familie ernähren kann. Später kommt das Mädchen dazu. Nach dem Essen verlässt die Familie des Mannes die Familie des Mädchens wieder.

Das Mädchen wird gefragt ob ihr der Mann gefällt und ob sie schon bereit ist zu heiraten. Wenn nicht, dann muß sie auch nicht und wenn sie möchte, dann wird ein weiteres Treffen vereinbart um die Termine für die Verlobung und die Hochzeit festzulegen. 

Zu solch einer pompösen Hochzeit werden ganz spezielle Sofas ausgeliehen auf denen die Braut und der Bräutigam sitzen. 

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Eine unvergessliche schöne Tour geht zu Ende. Marokko – ich komme hoffentlich mal wieder!

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