Marrakesch und der Duft des Orients

Marrakesch und der Duft des Orients

4 Monate nach dem großen Erdbeben

https://studio.youtube.com/video/3LifC1V5pf8/edit  Link zum Film auf YouTube

Es geht los. Wir wollen wieder einmal eine Auszeit vom Winter, der Kälte entfliehen. Nur knapp 4 Stunden Flug entfernt liegt unser Ziel. Marrakesch.

Wir haben diese bunte, quirlige Stadt schon mehrmals besucht. Es gibt nicht viele Orte die wir erneut bereisen, doch Marrakesch gehört definitiv dazu. Wir lieben die Farben Afrikas, das bunte Treiben in den engen Gassen der Medina und verlaufen uns gerne im Labyrinth des Souk.

Wir reisen gemütlich mit dem Auto nach Zürich und verbringen noch eine schöne Zeit mit meinem Sohn, meiner Schwiegertochter und Enkelin. Am nächsten Tag fahren wir mit der Straßenbahn zum Flughafen. Mit der Iberia geht es erst mal nach Madrid. Der Flughafen ist sehr modern und wirklich riesig groß. Der Weg zum Abfluggate dauert ganze 20 Minuten.

Weiter geht es nach Marrakesh. Zum Sonnenuntergang verlassen wir das moderne Flughafengebäude. Und das hat sich seit dem letzen Besuch wirklich sehr verändert. Der Flughafen ist wunderschön.

Flughafen Marrakesh

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Wir werden abgeholt und zu unserem „Riad dar Alfarah“ in der Kasbah gefahren. Eine wunderschöne Suite erwartet uns auf der Dachterrasse. Doch erst wird zur Begrüßung der obligatorische Tee Marocain serviert mit köstlichen Keksen. Heute haben wir im Riad Abendessen bestellt. Die Tajine mit Hühnchen schmeckt wunderbar, wie der marokkanische Salat.

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Riad Dar Alfarah
Begrüßungstee

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Ausblick von der Terrasse

Anschließend unternehmen wir noch einen kleinen Spaziergang durch die engen Gassen und verlieben uns erneut in diese lebhafte, bunte Stadt. Leider bleiben die Schäden vom Erdbeben vor 4 Monaten nicht verborgen. Überall werden Mauern gestützt und noch immer wird Schutt von den eingestürzten Häusern weggebracht. Doch die Menschen sind freundlich und sehr froh wieder Touristen in der Stadt zu sehen.

Moschee in der Kasbah
Nette Männer lassen sich fotografieren

Nach einem gemütlichen Frühstück marschieren wir wieder los. Heute werden 25 Grad erwartet. In der Früh ist es jedoch noch kühl. Wir spazieren durch die engen Gassen der Medina und das Labyrinth des Souk. Der Verkehr in den engen Gassen ist gewöhnungsbedürftig, doch nach 2 Tagen haben wir uns daran gewöhnt und erschrecken nicht mehr wenn wenige Zentimeter neben uns Eselkarren oder Mopeds vorbei rasen.

Frühstück
Bautransport
In der Medina

Auch die größte Moschee, die berühmte Kotoubia von Marrakesh hat das Erdbeben nicht schadlos überstanden. Sie ist gesperrt und wird schon fleißig repariert. Die Männer beten inzwischen auf ausgelegten Teppichen auf den Plätzen der Stadt.

Koutoubia von Marrakesh , auch vom Erdbeben getroffen
betende Männer, da die Koutoubia geschlossen ist.

Auf einer der zahlreichen Dachterrassen, im „Nomad“ geniessen wir ein köstliches Mittagessen mit fantastischer Aussicht. Anschließend besichtigen wir die Ruinen des ehemalig prunkvollen El Badi Palastes. Der Weg führt durch ein unterirdisches Labyrinth von Gängen in einen kleinen Innenhof, wo noch Reste von wunderschönen Bodenmosaiken zu sehen sind.

Tajine
Ausblick von der Dachterrasse des Nomad
Ein beschädigter Turm
El Badi Palast

Von dort geht es weiter zu einem riesigen Platz mit 2 großen künstlichen Pools. Einst muß dies ein glanzvolles Gebäude gewesen sein. Der Palast soll 360 Zimmer umfasst haben.

https://de.wikipedia.org/wiki/El-Badi-Palast

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Von unserer Dachterrasse des Riad können wir die Störche  in ihren Nestern sehen, die hier überall auf den Mauern nisten und den Winter verbringen.

Auch in Marrakesh kann es mal regnen, wenn es auch nur ein paar Tropfen sind. Wir unternehmen einen Spaziergang zum ältesten Haus Marrakeschs. Durch die engen Gassen der Medina, durch einen einsamen sehr schmalen Gang um einige Ecken stehen wir vor der kleinen Holztüre, die in das Haus führt.

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Wie bei den ganzen Riads kann man von außen nicht erkennen, welche Pracht sich hinter diesen einfachen Mauern verbirgt. Wir stehen in einer hohen Halle mit Meterhohen Säulen und einem kunstvoll gestalteten Mosaikboden. Ein prunkvoller Bau mit wunderschönen Stuckverzierungen aus Gips und Zedernholz.

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Es ist Mittag und wir beschließen hier etwas zu essen. Eines der Besten Gerichte bekommen wir hier serviert.

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Den Nachmittag verbringen wir heute in unserem Riad, und zwar bei einer Hamam Behandlung mit anschließender Massage.

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Massageraum im Riad

Pünktlich um 9 Uhr werden wir von unserem privaten Chauffeur abgeholt, es geht in die Berge. Unser erstes Ziel ist das Ourika – Tal, 35 Kilometer südöstlich der Stadt. Eine grüne Oase inmitten der staubigen, trockenen Wüstenlandschaft.

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Wüste

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Ourika Tal

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Die ersten Mandelbäume beginnen schon zu blühen. Weiter geht die Fahrt nach Asni, wo leider die Folgen des Erdbebens noch schlimmer waren. Ganze Zeltstädte stehen hier, neben den eingestürzten Häusern. Die Menschen werden finanziell vom Staat unterstützt, wird uns erzählt. Der jetzige König ist sehr beliebt in Marokko. Auch wird beim Aufbau der Häuser geholfen. Umso wichtiger ist für die Menschen der Tourismus. Auch wenn die Händler meist sehr aufdringlich und lästig sind, doch an diesen Plätzen kaufe ich gerne etwas. Jeder Euro hilft. In dieser Oase wachsen Apfelbäume, Kirschenbäume, Nüsse und Pfirsiche.

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Auch Imlil, ein kleines Bergdorf im hohen Atlas auf knapp 2000 Metern wurde nicht verschont. Hier unternehmen wir eine Wanderung in Richtung Toubkal, den höchsten Berg Nordafrikas mit über 4000 Metern Höhe.

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Wir erreichen einen kleinen Wasserfall, wo sich die Touristen sammeln. Hier ist einiges los.

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Nach 2 Stunden Wanderung mit atemberaubenden Blicken auf die umliegenden kleinen Dörfer, erreichen wir unseren höchsten Punkt mit Sicht auf den Toubkal. Hier oben sind außer uns nur noch Einheimische.

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Wir staunen nicht schlecht, kein Schnee weit und breit, wo normalerweise der hohe Atlas im Winter mit Schnee bedeckt ist.

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Heute ist wieder wandern in der Stadt angesagt. Ganze 13 Kilometer werden es. Wie immer durch die Medina auf der Suche nach dem Eingang in den „Le Jardin Secret“. Und der ist wirklich nicht leicht zu finden zwischen den vielen bunten Tüchern und Teppichen. Hinter einem niedrigen Eingang in einer fensterlosen unscheinbaren roten Mauer schreiten wir ins Paradies. Nur einige wenige Schritte und wir sind dem Gewusel der Stadt entflohen.

https://lejardinsecretmarrakech.com/en/

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 Der erste Komplex ist der kleinere Exotische Garten. 
Pflanzen aus 5 Kontinenten wachsen Seite an Seite, aus Ländern, die klimatisch den Gegebenheiten von Marrakesch gleichen.

Durch ein offenes Tor gelangen wir in den islamischen Garten, den großen Teil dieser Anlage. Wir besteigen den Turm und haben so einen schönen Blick über das gesamte Areal, sowie die ganze Stadt mit ihren alles überragenden Türmen der Moscheen. Leider sehr in Mitleidenschaft gezogen, eben wegen des Erdbebens. Manch einer ist sogar ganz eingestürzt.

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Wir beschließen das Gerberviertel Marrakeschs zu besuchen. Der Weg führt uns durch das Jüdische Viertel,die sogenannte Mellah, durch einsame Gassen. Dieses Viertel der Stadt hat es am ärgsten erwischt. Jedoch zum Glück seien hier nur wenige  ums Leben gekommen.

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In ganz Marrakesh 11 Menschen, kaum zu glauben bei diesen Zerstörungen. In diese Gegend verirrt sich kaum ein Tourist, wir begegnen nur Einheimischen. Über Umwege, wegen Sackgassen kommen wir an einen großen Platz. Der Geruch in der Luft sagt uns daß wir ganz nah dran sind. Natürlich kommt ein selbsternannter Guide um uns den Eingang zu zeigen. Erst erwerben wir ein Büschel frischer Minze um uns dies vor die Nase zu halten.

Heute wird fast nicht gearbeitet hier, denn die ganze Stadt fiebert mit dem Fußballteam um das bevorstehende Spiel. Noch heute ist das Gerben der Leder eine Knochenarbeit und es stinkt zum Himmel. Die Gerber stehen bis zur Hüfte in riesigen Bottichen mit ätzender Lauge und Taubenmist. Seit Jahrhunderten sind die Prozesse unverändert. Und für diese Arbeit bekommt ein Gerber pro Tag ca. € 8,00.

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Beim Rückweg sind die Straßen fast menschenleer, zumindest abseits des Souk. Nur einige rasen mit ihren Motorrädern noch in Richtung Fernseher.

In der Medina ist noch mehr los, jedoch sind die Händler mehr damit beschäftigt in ihre Handys zu schauen als den Touristen ihre Waren aufzudrängen. In einem kleinen Friseursalon in der Medina lässt sich Wolfgang die Haare schneiden und rasieren. Der Mann macht seine Sache wirklich perfekt. Er ist aber auch ein guter Geschäftsmann, denn kaum daß ich mich versehe sitze auch ich auf dem Friseurstuhl und bekomme meine Haare geschnitten. So einen billigen Haarschnitt hatte ich noch nie, € 20,00 für schneiden und föhnen.

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Am Abend laufen wir erneut los, zum großen Platz, dem Djemaa El Fna, dem Herzschlag der Medina. Hier pulsiert das Leben, obwohl der Name des Platzes übersetzt “ Versammlung der Toten“ heißt. Schon tagsüber ist hier viel los, doch am Abend erst geht die Post so richtig ab. Aus unzähligen Garküchen dampft es regelrecht. Manche Speisen sehen sehr appetitlich aus, andere wiederum eher abschreckend, wie die gekochten Schafsköpfe.

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Außer den Garküchen und Obstständen gibt es Schlangenbeschwörer mit ihren Kobras, Märchenerzähler, Wunderheiler, Wasserverkäufer, Musiker, Akrobaten, Henna -Malerinnen, fliegende Händler und auch Schuhputzer. Diese sind auch tagsüber auf dem Platz. Fotografieren heimlich fast nicht möglich, es gibt immer einen Aufpasser der gleich die Hände aufhält. Oder die Schlangen werden gleich zugedeckt. Ein buntes, lautes Gewusel über den ganzen Platz.

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Von der Dachterrasse des Café France haben wir einen tollen Überblick.

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Gleich um die Ecke unseres Riad im Kasbah Viertel befinden sich die Saadier Gräber, die bedeutendste historische Sehenswürdigkeit des Viertels. Im Freien findet man ca. 100 mit Kacheln verzierte Gräber.

https://de.wikipedia.org/wiki/Saadier-Gräber

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In einem der 2 großen, prächtigen Säulenhallen angelegten Mausoleen sind die bedeutendsten Saadier Sultane bestattet.

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In der zweiten Halle befinden sich die Grabstätten seiner Frau, seiner Angehörigen und die der beliebtesten Haremsdamen.

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Gleich gegenüber der Saadiergräber genießen wir einen marokkanischen Tee auf der Dachterrasse des Café de Kasbah, mit herrlicher Aussicht inclusive. Direkt vor uns sonnen sich 2 Störche auf ihrem Nest.

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Nach dem Mittagessen marschieren wir erneut zur Koutoubia – Moschee, wo wir uns einen super Kaffee gönnen, bevor wir in den Bus steigen. Die mobilen Kaffeeverkäufer sind mittlerweile überall in der Stadt zu finden. Der Kaffee ist wirklich hervorragend..

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Die Fahrt dauert ca. 45 Minuten hinaus aus der Stadt zum berühmten „Anima Garten“. Ein 3 Hektar großes Paradies voller Kunstwerke inmitten üppiger Pflanzen und Bäumen. In einem Sessel unter Palmen sitzt er, der Erschaffer dieses Gartens, André Heller höchstpersönlich.

https://www.anima-garden.com/?lang=de

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Vor der Kulisse des hohen Atlas liegt dieser paradiesische Garten, ein magischer Ort. Daß diese Pflanzenpracht hier gedeiht ist dem Wasser aus den Bergen zu verdanken.

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 Gleich nach Ankunft zurück in Marrakesh suchen wir den Eingang in das „Musée de Mouassine“, umbenannt in das „Musée de Music“. Nach einigen Irrwegen finden wir den Eingang in das renovierte Riad, wo wir uns gestern Karten für eine Musikvorstellung gekauft haben. Die Musik ist gewöhnungsbedürftig, wir sind nicht enttäuscht zu spät zu kommen und nur noch eine halbe Stunde dem Konzert beiwohnen zu können.

Im Anschluss besichtigen wir noch das Museum und bekommen auf der Dachterrasse Tee und Kekse serviert.

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Es ist unser Jahrestag, Monem, der gute Geist unseres Riads hat es gewusst. Wir staunen nicht schlecht, als wir unser Zimmer betreten. Rosenblüten auf dem Boden und dem Bett, Luftballons und ein wunderschöner, duftender Rosenstrauß auf dem Tisch. Was für eine schöne Überraschung.

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In Marrakesh gibt es zahlreiche Paläste. Einen davon wollen wir heute besuchen.  Der Andrang im Bahia Palast ist groß, so viele Menschen haben wir hier noch nie gesehen. Seit gestern sind Schulferien in Marokko, und der Tourismus scheint jetzt so richtig in Fahrt zu kommen.

https://palaisbahia.com/en/

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Der Bahia Palast ist ein opulentes Bauwerk mit wunderschönen marokkanischen Verzierungen. Der Palast ist ein Mix aus andalusischer und maurischer Baukunst mit aufwändigen Stuckarbeiten und geschnitzten Raumdecken aus Zedernholz und kunstvollen Mosaiken.

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Er besteht aus vier Teilen. Einem kleinen Riad, einem kleinen Hof, einem großen Hof und einem großen Riad.

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Anschließend marschieren wir durch das jüdische Viertel zum Friedhof. Hier passieren wir wieder einige eingestürzte Häuser. Überall wird noch heute, 4 Monate nach dem Erdbeben aufgeräumt und renoviert.

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Der Eingang ist nicht beschildert, aber leicht zu finden. Ein ausgedehnter Friedhof mit mehreren tausend Gräbern. Ein Abteil mit hunderten Kindergräbern, die auf die Opfer von Epidemien verweisen, die immer wieder in der Stadt wüteten. Die Gräber werden zur Zeit neu bemalt. Die ältesten Grabstätten stammen aus dem 16. Jahrhundert.

https://www.tripadvisor.de/ShowUserReviews-g293734-d3682526-r467565895-Miaara_Jewish_Cemetery-Marrakech_Marrakech_Safi.html

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Den Rest des Nachmittags verbringen wir gemütlich auf den Liegen unserer Terrasse. Nach den vielen Kilometern durch die Stadt ist ein wenig Erholung angesagt.

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Der letzte Tag, die letzen Stunden, am Nachmittag geht es wieder zurück nach Europa. Wir bummeln ein letztes Mal durch die bunten, belebten Gassen zum großen Platz. Mittlerweile werden wir schon von den Händlern erkannt und man versucht uns nicht mehr alles mögliche anzudrehen.

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Die Luft im Hinterland ist sehr trübe, es scheint ein Sandsturm aufzukommen. Auf dem Heimweg zum Riad bekommen wir noch ein Ständchen gespielt.

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Nach dem Mittagessen nehmen wir Abschied von unserem neuen Freund Monem, der unseren Aufenthalt hier zu etwas Besonderem gemacht hat.

https://www.daralfarah.com

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Zurück geht es über Lissabon wieder nach Zürich. Dort werden wir von meinem Sohn abgeholt und verbringen die Nacht noch dort, bevor es wieder nach Hause geht .



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