Feuer und Rauch – Zigarren und Vulkan

Feuer und Rauch – Zigarren und Vulkan

Zigarrenfabrik Esteli und der Vulkan Nindiri

Nach einer sehr, sehr heißen Nacht verlassen wir Granada und fahren nach Esteli. Doch vorher bietet sich ein sehenswerter Zwischenstopp an, wollen wir doch etwas mehr von diesem schönen Land Nicaragua sehen, bevor es morgen schon wieder über eine Grenze geht.

Wir fahren zeitig los, so stehen wir schon vor Öffnung des Parque Nacional Volcano Masaya vor den Toren. Das Highlight des Parks ist der Krater des Vulkans Nindiri. Nach Bezahlung des Eintritts öffnet sich das Tor und wir fahren über ein Lavafeld auf den Berg. Nach wenigen Kilometern erreichen wir über eine wirklich schöne Straße den Parkplatz ganz oben am Kraterrand.
Der Blick in den Krater ist fenomenal. Dicke Rauchschwaden steigen hoch, es brodelt im Schlund des Berges. Leider sind die Wanderwege gesperrt, der Kraterrand ist scheinbar nicht mehr sicher genug. Der Park ist immer wieder wegen erhöhter Aktivität geschlossen.

Nach 200 km Fahrt erreichen wir unser heutiges Ziel, die Stadt Esteli.

 Auf einem Wiesenparkplatz mit tollem Pool dürfen wir die nächste Nacht verbringen.

Doch erst lockt ein weiteres Highlight.
In Nicaragua werden 5 der weltbesten Zigarren hergestellt. In dieser Gegend gibt es zahlreiche Fabriken die diese Glimmstängel herstellen. Eine davon besuchen wir heute.

2 1/2 Stunden lang werden wir in die Herstellung der Zigarren eingeführt. Der Chef der Fabrica de Puros La Paciencia führt uns durch die verschiedenen Hallen und erklärt uns ausführlich die zahlreichen Schritte der Herstellung.

800 Hektar Tabak werden jährlich zu 43 Millionen Zigarren verarbeitet. 4 Betriebe in Nicaragua und Honduras gehören zu diesem Imperium, das schon in der 5. Generation geführt wird. Es wundert uns kaum daß alle Familienmitglieder Zigarren rauchen.
Auch die Mitarbeiter ziehen während der Herstellung kräftig daran.

Wir treffen auch auf eine Praktikantin aus Österreich. Sie versucht sich gerade am „Deckblatt“, sagt dass es nicht so einfach sei. In 5 Wochen möchte sie einiges über die Herstellung der Zigarren lernen.
Die Tabakblätter werden von unten nach oben gepflückt, alle 6 Tage eine neue „Schicht“, die unterschiedliche Aromen hervorbringt. Dies ist abhängig vom Boden, von der Sonneneinstrahlung und anderen Faktoren. So bekommen die Zigarren den individuellen Geschmack.

Teilweise bleibt mir regelrecht die Luft zum Atmen weg, so stark sind die Gerüche in den verschiedenen Räumen. Meine Atemwege wehren sich mit Hustenanfällen regelrecht dagegen. Ich bin und werde wohl nie ein Raucher.

Der getrocknete Tabak riecht dann wieder besser, der starke Ammoniak Geruch hat sich verflüchtigt. Für die besten Zigarren wird der Tabak 9 Jahre lang gelagert, für die „normalen“ 7 Jahre. 

Der neueste Hit dieser Zigarrenfabrik ist eine „Bio Zigarre“. Ich glaube nicht dass diese gesünder ist als die anderen, doch vielleicht lassen sich dies einige doch einreden.

Die Blätter werden nach Farbe und Qualität sortiert, wobei wir kaum Unterschiede feststellen können.

Ich bewundere die Fingerfertigkeit dieser Zigarrendreher. Immen ein Paar fertigt diese gemeinsam an. Der Mann presst die Blätter in die Form und die Frau wickelt das Deckblatt herum, dieses muß zuerst zugeschnitten werden. Ein kleines kreisförmig ausgeschnittenes Teil wird an die Enden angebracht. Jede Zigarre muss die gleiche Größe haben.

Jede einzelne Zigarre wird in ein besonderes Gerät gesteckt um die Dichte und Luftdurchlässigkeit zu messen.

Auch müssen sie farblich und nach Größe sortiert werden, sollen doch in einer Packung alle ganz genau gleich aussehen.

In einem anderen Raum treffen wir auf die Testraucherin, der es sichtlich Spaß macht die verschiedenen Zigarren zu testen. Sie qualmt ganz schön und freut sich uns ihre Arbeit vorzustellen.

Im Lagerraum können wir dann die fertigen, noch gepressten Zigarren bewundern, manche davon sind wirklich eine Augenweide, zumindest optisch. Sie sehen wirklich sehr schön aus.

Anschließend marschieren wir weiter in den Verpackungsraum.

Nachdem einige Zigarren über den Ladentisch gewandert sind fahren wir wieder zurück zu unserem Campingplatz. Wenn man von besseren Arbeitsbedingungen sprechen kann, dann haben diese Mitarbeiter hier doch einige Vorteile gegenüber einer Zigarrenfabrik in Kuba, die wir vor Jahren besichtigt haben. Hier gibt es Gleitarbeitszeit und es können, wenn man fleißig ist, bis zu 4 Mindestlöhne verdient werden. Dies ist natürlich ein Anreiz in dieser Fabrik arbeiten zu dürfen. Nicht jeder beherrscht dieses Geschick des Zigarrendrehens.

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