Frühling im  Piemont  mit dem Wohnmobil

Frühling im Piemont mit dem Wohnmobil

Die angekündigte Kaltfront lässt uns kurzentschlossen das Wohnmobil beladen und in den Süden zu fahren. Nicht weit, nur bis in den Piemont. Über die Schweiz erreichen wir unseren ersten Übernachtungsplatz in Canobbio. Wir stehen an den für uns schon bekannten Platz am kleinen Fluß. Heute ist er sehr gut besucht, so viele Wohnmobile waren noch nie hier. Doch bleibt noch viel Grünfläche zwischen den Fahrzeugen, sodass man sich nicht eingeengt fühlt. Inzwischen kostet die Übernachtung schon 32 Euro, kein Schnäppchen. Gekocht wird heute selber, wir müssen unsere Vorräte von zuhause verbrauchen. Auf den Teller kommt ein herrliches Gericht, Safranspaghetti mit Zucchini und Garnelen.

Die Gärten sind schon voller Blüten und verströmen eine wunderbaren Duft. Wir geniessen dennoch die Stadt und starten nach einer ruhigen Nacht erholt die nächste Etappe.

 Gemütlich fahren wir den Lago Maggiore entlang, vorbei an Verbania und am idyllischen  Orto See. Kurz danach finden wir einen schönen Platz in Romagnano Sesia für eine Kaffeepause.

Einen weiteren Zwischenstopp legen wir in Biella ein. Hier gibt es beim Bahnhof einen Parkplatz für Wohnmobile – und das auch noch gratis. Nach 2 Kilometern Fußmarsch erreichen wir die Altstadt. Schöne Arkaden und eine nette Fußgängerzone erwarten uns. Es ist gerade Siesta, und deshalb ausgesprochen ruhig in der Stadt.

Nur wenige Kilometer weiter unser heutiges Ziel. Salussola. Die Anfahrt zum Übernachtungsplatz ist etwas eng und steil. Wir stehen allein auf einer schönen Wiese direkt neben fünf Eseln. Wir werden vom Sohn der Hausherrin freundlich empfangen und kaufen auch gleich hausgemachten Wein und Prosecco. Am Abend besucht uns die sehr nette Gastgeberin, sie holt die Esel und bringt sie über Nacht in einen Stall, da sich ein Wolf in der Gegend herumtreibt. Später bringt sie uns noch eine Wander – und Bikekarte der Gegend vorbei.

Heute testen wir unsere neuen Bikes und fahren zum Lago di Viverone. Durch grüne blühende Landschaft und kleine alte Dörfer. Ein Zwischenstopp beim Castle Rapollo lohnt sich, auch wenn es geschlossen ist. Die wunderbare Aussicht lohnt auf jeden Fall die steile Auffahrt.

Angekommen am See genießen wir ein Mittagsmenü direkt auf der Terrasse über dem Wasser. Enten vergnügen sich unter uns, Schwäne gleiten gemächlich vorbei und eine Schildkröte streckt ihren Kopf aus dem Wasser um Luft zu holen.

Wieder zurück besuchen wir erneut unsere Nachbarn, die Esel. Das Eselbaby ist anhänglich und folgt mir auf Schritt und Tritt. Wir lassen den Tag gemütlich bei einem Kaffe ausklingen.

Zwei Tage später brechen wir auf und fahren erst mal 6 Kilometer weiter nach Piverone. Wir besichtigen den Dom, der wirklich sehr sehenswert ist.

Nur ein kleines Stück weiter finden wir wieder einen wunderschönen Platz direkt am See. Über einen schön angelegten Steg spazieren wir zu einer Bar und genießen die Sonne bei einem Aperitif. Anschließend zieht es uns in den Liegestuhl zum relaxen und ein bisschen lesen.

Anschließend sind wir wieder unternehmungslustig und fahren mit den Bikes in den Ort und über die Hügel wieder zurück. Dabei kommen wir an einem edlen Hotel mit Weingut vorbei.

Gekocht wird heute wieder selbst. Ein köstliches Gemüsegröstel landet heute in unserer Pfanne.

Wir verlassen diesen wunderschönen Ort und fahren weiter nach Santhia. Der Duomo Sant Agata ist ein mächtiger Bau. Meiner Meinung nach passt der Turm nicht zum Rest der Kirche. Vis-a-vis setzen wir uns in ein nettes Cafe. Dort treffen wir einen Pilger auf dem Weg nach Rom. In 10 Tagen starte ich meinen Pilgerweg von Porto nach Santiago. ( da weiß ich noch nicht, dass ich mir Tage danach den Zeh breche) .

Nach der Stadtbesichtigung fahren wir wenige Kilometer weiter durch Farmland zur Tenuta Colombara. Im Restaurant geniessen wir herrlich cremiges Risotto mit grünen Äpfeln, Gorgonzola und Kaffeepulver.

Anschließend können wir uns einer Führung von Schweizern anschließen, da wir so kurzfristig keine buchen konnten. Die Dame aus Deutschland erklärt die Geschichte dieses Familienbetriebs sehr ausdrucksvoll und interessant. Früher gehörten dieser Familie unglaubliche 230 000 Hektar Reisfelder. Es wurden 300 Arbeiter mit ihren Familien fix beschäftigt, die auch hier wohnten. Während der Saisonarbeit – der Aussaat bis zur Ernte arbeiteten hier 600 Menschen. Dazu gehörte ein Kuhstall in dem 200 Kühe gehalten wurden. In diesem versammelten sich die Menschen nach der Arbeit am Abend um sich aufzuwärmen, da dies der einzige warme Ort war und sie im Winter nur Holz zum Kochen und nicht zum Heizen hatten.

Zur Saisonarbeitszeit kamen viele junge Frauen aus den benachbarten Dörfern, diese wurden in einem extra Haus mit 4    Schlafsälen auf 2 Ebenen untergebracht und streng bewacht. Für die Arbeiter war es verlockend so viele junge Frauen in der Nähe zu haben.

Die Söhne des Großgrundbesitzers brachten den Senior dazu den Großteil der Fläche zu verkaufen und spezialisierten sich auf nur noch eine Reissorte. Den Carneroli, den König unter den Reissorten. Mittlerweile wurden wieder einige Hektar dazu gekauft und heute werden 250 Hektar bewirtschaftet. Dieses neue Geschäftsmodel hat sich bewährt und von Chicago bis Tokio in über 60 Nationen wird der Reis von hier exportiert. Das Unternehmen hat ein Patent auf ein eigenes Verfahren, indem die wertvollen Teile des Keims, welcher beim Schälen entfernt wird, wieder zugefügt werden kann. Dies macht den Aquarello zu einem weißen Reis mit Eigenschaften, die sonst nur in Vollkornreis vorkommen.

Bis zum Jahr 2012 wurde nach der ursprünglichen Art Reis gepflanzt, heute wird er im April bis Mai gesät und im Juni geflutet. Die Ernte findet im September bis Oktober statt. Heute nicht mehr mit Handsicheln, sondern mit riesigen Dreschmaschinen. Um 1900 benötigte man für die Arbeit pro Hektar 1200 Arbeitsstunden, heute nur noch 20. Sehr interessant ist auch dass der Niveauunterschied der Anbaufläche auf ca. 3 Hektar Größe nie mehr als 3 cm beträgt. Wenn das Feld mit 4 cm Wasser geflutet sind, gibt es keine trockenen Stellen. Mit moderner Technik und Sensoren an den Traktoren ist dies heutzutage möglich.

Einige Kilometer weiter bei Santhia übernachten wir bei der Reisfarm Molinaria. Wir werden von Gabriella herzlich mit Getränken empfangen. Auch hier decken wir uns mit verschiedenen Sorten Reis ein und geniessen die Ruhe zwischen den Feldern.

default

Vorbei am Castello di Vetigne, einer riesigen verlassenen Reisfabrik fahren wir weiter nach Verbania. Das Castello ist leider geschlossen, deshalb lasse ich kurz meine Drohne fliegen.

default

Schon am Vormittag erreichen wir den Stellplatz in Verbania, wo wir schon öfter übernachtet haben. Wir haben Glück und ergattern den letzen freien Platz. Wir spazieren an das Ufer des Lago Maggiore zum einem gemütliche Kaffee und fahren anschließend mit dem Bus in die Altstadt. Nach einer kurzen Rast beim Stellplatz machen wir uns wieder auf den Weg in die Stadt.

Letztes Jahr haben wir diese besondere Pizzeria gefunden und für heute einen Tisch reserviert. Ansonsten keine Chance einen Platz zu bekommen. Die Pizzakarte ist aussergewöhnlich und so auch die Pizzen. Gut gestärkt mit Pizza und Wein treten wir den Weg zurück an.

Die Fahrt geht gemütlich dem Lago Maggiore entlang und weiter durch die Schweiz wieder nach Hause. 

Total Page Visits: 35 - Today Page Visits: 35